Manuela’s Garteneck: Bokashi

BOKASHI

Als ich das erste Mal davon hörte, dachte ich an ein köstliches asiatisches Gericht. Doch das war weit gefehlt! Wobei genau betrachtet, so falsch ist es nicht. Und das nicht nur, weil Bokashi aus dem Japanischen kommt, sondern weil das Endprodukt eine Delikatesse für das Erdreich und somit für die Pflanzen ist. Bokashi bedeutet so viel wie Allerlei – in diesem Fall handelt es sich um fermentierten Kompost. Dieser entsteht mit Hilfe von Mikroorganismen und dem Entzug von Sauerstoff.

Aus zwei Gründen interessiert mich diese Art der Kompostierung.
1. Weil ich so ziemlich alles versuchen würde um aus meinen „BeTon“-Boden ein lockeres, durchlässiges und nährstoffreiches Erdreich zu machen.
2. Weil in den Wintermonaten durch die Küchenabfälle eher einseitiges Material auf dem Kompost landet. Ja, und dann grabe ich auch gleich den 3. Grund hervor, der eigentlich für alle meine Gartenprojekte ausschlaggebend ist: die Experimentierfreude.

Bokashi Kübel

Zur Herstellung dieses Kompostes braucht man einen speziellen Kübel. Mein erster Plan, nämlich diesen selbst anzufertigen, ging schief. Irgendetwas hatte ich wohl falsch gemacht. Vielleicht war mein System nicht luftdicht genug.

Also besorgte ich mir den Bokashi – Eimer. Dieser ist ausgestattet mit einem Deckel zum luftdichten Verschließen, einem Siebeinsatz und einem Auslaufhahn.

 

Mikroorganismen

Zusätzlich zu den Mikroorganismen kaufte ich aktivierte Pflanzenkohle. Empfohlen wird außerdem, mit zwei Bokashi- Eimern zu arbeiten.

Während der eine angefüllt ruht, befüllt man den zweiten. Aber das erspare ich mir. In der Zwischenzeit landen die Küchenabfälle auf dem Kompost.

 

 

Material und Aufbau

Abfälle zerkleinern

Hinein kommt jedes organische Material, das auch auf einem herkömmlichen Kompost landen darf. Also Obst und Gemüseabfälle ( roh oder gekocht), Kaffeesatz, Zitrusfrüchte, Blumen etc und auch Tiermist.

Nur von Eierschalen wird abgeraten, weil die Fermentierung sonst zu ungleichmäßig wäre. Auch Sägemehl, Papier etc. sollte man vermeiden, weil das die Mikroorganismen in ihrer Tätigkeit beeinträchtigt. Außerdem ist es wichtig, keine schimmligen Abfälle zu verwenden.

Damit die Fermentation klappt, sollten die Küchenabfälle zerkleinert werden.

Anleitung zur Herstellung

Ich sammle die zerkleinerten Abfälle für 2-3 Tage in einem herkömmlichen Behälter. Dann kommt das Material in den Bokashi- Eimer. Nun gebe ich eine dünne Schicht Pflanzenkohle darüber, drücke alles fest an und sprühe die unverdünnten Mikroorganismen drüber. Damit das Ganze kompakt und möglichst luftdicht lagert, beschwere ich das Gut mit einem kleinen Sandsack. Nun gut verschließen. Es sollte möglichst keine Luft im Behälter sein. Den Kübel nicht allzu oft zu öffnen. Also nicht für jeden Apfelbutzen den Kübel öffnen, sondern die Küchenabfälle extra sammeln und nach und nach auffüllen.
Nach jeder Schicht Mikroorganismen sprühen. Man kann auch etwas Gesteinsmehl beimischen und man muss nicht unbedingt Pflanzenkohle verwenden. Wenn der Kübel dann ganz voll ist, lässt man ihn für 2-3 Wochen verschlossen stehen.
Ort des Geschehens:
Ich habe meinen Bokashi- Eimer in der Küche unter dem Tisch stehen. Mikroorganismen arbeiten besonders gut bei Temperaturen zwischen 25° -30°C. Aber auch bei kühleren Temperaturen funktioniert die Fermentation – dann halt langsamer.

Wann ist die Fermentierung abgeschlossen?

Der Geruch ist säuerlich, wenn alles richtig gemacht wurde und der Prozess abgeschlossen ist. An der obersten Schicht, kann sich mitunter ein weißer Belag bilden. Bei meinem 1. Versuch erkannte ich am fehlenden säuerlichen Geruch, dass nicht alles so lief, wie es laufen sollte. Es stank fürchterlich.
Nach abgeschlossenem Prozess darf man sich keine fein krümelige Komposterde erwarten! (Ich schreibe das deshalb in fetten Buchstaben, damit ihr nicht genauso enttäuscht seid, wie ich es anfangs war). Ganz im Gegenteil- die Reste sind noch gut erkennbar – nur sind sie etwas glasiger geworden. Es findet also in diesem Stadium keine Vererdung statt, wie wir es vom herkömmlichen Kompost kennen.

Daher ganz wichtig:
Abfälle zerkleinern, fest zusammen pressen und beschweren. Möglichst keine Luft miteinschließen. Trockenes und feuchtes Material im ausgewogenen Verhältnis. Bei zu viel Feuchte, kann man getrocknetes Bokashi kaufen und untermischen.
UND – keinesfalls vergessen, alle 2-3 Tage am Zapfhahn zu drehen. Denn dort kann man wunderbaren säuerlich riechenden Sofortdünger abzapfen. Er muss mindestens im Verhältnis 1:20 verdünnt werden. Oder man verwendet ihn unverdünnt als Abflussreiniger.

Ausbringen und Verwendung

Geht es ans Ernten des wertvollen Bokashi gibt es mehrere Anwendungsmöglichkeiten.

Bokashi aufbringen

Aufbringen auf den Beeten
Dazu gräbt man eine ca 20-30 cm tiefe Rille und streut Bokashi hinein. Gießt mit Mikroorganismen an und deckt mit Erde ab. Nach ungefähr 2 Wochen können Pflanzen gesetzt werden.

Die Topfmethode
Diese bewährt sich vor allem bei bestehenden Pflanzen oder auch im Winter. Dazu füllt man ein wenig Erde in einen Tontopf. Darauf kommt Bokashi und drückt es fest. Mit Mikroorganismen gießen und den Topf umgedreht aufstellen. Innerhalb weniger Wochen zerfällt das Bokashi zur nährstoffreichen Erde und die umliegenden Pflanzen profitieren davon.

Kompost mit Bokashi impfen
Dazu ein Loch in der Mitte des Komposthaufens graben, Bokashi einfüllen, 20cm dick mit Erde zudecken und mit Mikroorganismen gießen.

Es gibt also viele Möglichkeiten den Garten mit dieser Delikatesse zu verwöhnen.
Jedoch sollte man nach dem Ausbringen, dem Ganzen noch genügend Zeit geben. Denn Bokashi hat einen niedrigen ph-Wert. Für Samen und Jungpflanzen ist die Düngekraft zu intensiv. Auch auf die einzelnen Ansprüche der jeweiligen Pflanzen zu achten, ist wichtig. Damit Schwachzehrer mit der Düngekraft nicht überfordert werden.
Das heißt – Bokashi mind. 2-3 Wochen vor dem Bepflanzen der Beete ausbringen. So kann Bokashi vererden und hinterlässt hervorragende gedüngte Erde. Und das ganz preiswert aus Abfall, der ansonsten in der Biotonne gelandet wäre.

Heuer werde ich Bokashi auch bei den Topfpflanzen und Blumenkistchen ausprobieren. Dazu füllt man das Gefäß 1/3 mit Erde, dann 1/3 Bokashi und zum Abschluss nochmals 1/3 Erde. Dann die gefräßigen Mikroorganismen darüber sprühen und darauf achten, dass das Ganze nicht austrocknet. Mit dem Bepflanzen mindestens 2 Wochen gedulden!

Die Vorteile von Bokashi – zusammengefasst
– Schneller einsatzbereit, als der herkömmliche Kompost (< den ich aber auch keinesfalls missen möchte!… nur mal so nebenbei erwähnt)
– Die Nährstoffe bleiben enthalten.
– Verbesserung der Struktur und Wasseraufnahme des Bodens
– Ein Umsetzen wie man es beim Kompost praktiziert, fällt weg.
– Kompost ernten auch dort, wo keine Möglichkeit ist für einen Kompostplatz
– Und das beste: Regenwürmer lieben Bokashi

Nachteile
– Etwas gewöhnungsbedürftig ist es anfangs nicht nur das Gemüse für die Suppe klein zu schneiden, sondern auch die Abfälle für Bokashi
– Wenn es misslingt, dann riecht man es…
– Genaues Reinigen des Eimers damit sich später kein Schimmel bildet.

Im übrigen: Man kann Bokashi auch im großen Stil betreiben. Zum Beispiel kann man Grasschnitt oder Wildkräuter ebenso fermentieren. Bei den Wildkräutern hat es zusätzlich den Vorteil, dass die Keimfähigkeit der Samen durch die Fermentierung verloren geht. Heißt es- ausprobiert habe ich es noch nicht.

Ich hoffe, ich konnte euch Gusto auf Bokashi machen und freue mich aufs nächste Mal wenn es heißt:
Der Weg vom Paradeisersamen bis zum selbstgemachten Ketchup. 😉

Bis bald
Manuela

 

 

 

erstellt von: Manuela Semeliker Aufrufe: 54