Das bespielbare DORF

von Andrea und Gerhard Wukovatz

Der Lebensraum und die Lebensbedingungen haben sich - speziell auch in unserem Dorf - verändert. Nicht immer Schritt gehalten mit dieser Entwicklung hat aber die Lebensqualität.

So hat man im blinden Fortschrittsglauben die Identität und Funktion von Dörfern teilweise aufgegeben. Erst seit einigen Jahren versucht man dieser Entwicklung durch Konzepte wie Dorferneuerung oder Dorfgestaltung entgegenzusteuern.

Kinder auf Holzwand

Verantwortungsvolles Denken

Es ist daher, so meinen wir, an der Zeit, eine ganzheitliche und vernetzende Planung und Gestaltung unserer Gemeinde (Verkehrs-, Siedlungs-, Umwelt-, Sozial-, Kulturpolitik) in Angriff zu nehmen. Ein wichtiges Anliegen für die UDW ist es, sich für unsere Kinder im Dorf einzusetzen.

Das Spiel des Kindes ist nicht nur reiner Zeitvertreib, also keine "Spielerei". Spiel ist für Kinder auch eine ernsthafte und die Entwicklung entscheidend fördernde Tätigkeit.

Bespielbare Gemeinde

Die UDW hat sich einige Gedanken über ein "Bespielbares Wulkaprodersdorf" gemacht. Das Ziel sollte nicht das Schaffen eines oder mehrerer Spielplätze sein, sondern ein Spielverbund quer durch die Gemeinde mit all seinen Verkehrsverbindungen, seinen Spielflächen, Parks, Wohnstraßen und Freiflächen.

Ganz ehrlich: Haben Sie sich schon gefragt, welche Möglichkeiten unsere Kinder zum Spielen, zum Treffen, zur Kommunikation haben? Wie sind die Plätze beschaffen? Sind sie in ausreichendem Maße vorhanden?

Erdball spielenTatsache ist, dass im Gegensatz zu früher die Freiräume geringer geworden sind.

Die offenen "Hintausflächen" mit den Scheunen, die verwilderten "Gstätt'n" mit vielen Bäumen und Gestrüpp, die früher den Ort fast flächendeckend überzogen haben, gibt es faktisch nicht mehr. Auch die anderen freien Flächen im Ortsgebiet, bzw. rund um den Ort (ungenutzte Bauplätze, Felder, Wiesen) sind v.a. durch die starke Bautätigkeit und anderwärtige Nutzungen im Verschwinden begriffen.

Den Kindern steht nicht mehr unbegrenzter Raum zum Spielen zur Verfügung. Und das, was wir derzeit zu bieten haben, erscheint doch recht dürftig. Da haben wir einen Spielplatz, der kaum benützt und frequentiert wird. Da gibt es eine einzige Sport-, Spiel- und Kommunikationsstätte - unseren Sportplatz. Ja, und das ist es eigentlich!

Vielfalt statt Einfalt

Neben den oben erwähnten Plätzen - wobei zu diskutieren wäre, ob der Spielplatz an diesem Ort und in seiner bisherigen Form überhaupt sinnvoll ist - gibt es noch eine Vielzahl von vorhandenen und noch möglichen Grünbereichen, die sich hiefür anbieten würden. Dazu zählen unter anderen:

um nur einige zu nennen, die bei entsprechender Gestaltung bzw. Reaktivierung sicherlich zu einer Bereicherung des Dorlebens führen könnten.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es geht hier nicht nur um Spielbereiche (auf keinen Fall um durchgestylte Kinderspielplätze!), sondern um multifunktionale Plätze, um gemütliche Treffpunkte und Kommunikationsstätten, die auch der gesamten Bevölkerung zugute kommen. Denn, was für Kinder gut ist, ist für uns alle gut.

BasketballspielEin so gestalteter Bereich kann über den gesamten Tagesverlauf eine unterschiedliche Abfolge von Nutzungen aufweisen.

In der Früh bzw. am Vormittag kann er beispielsweise als Treffpunkt zum Plaudern für alte Leute oder für Mütter/Väter mit Kleinkindern dienen, am Nachmittag als Spielplatz für die Schulkinder und am Abend als Treffpunkt für Teenager oder für einen Tratsch mit den Nachbarn.

Dabei ist es wichtig, viele solcher dementsprechend gestalteter Plätze möglichst gleichmäßig über das gesamte Gemeindegebiet zu verteilen - sozusagen ein 'Netz aus bespielbaren Bereichen', da sich der Aktionsradius von Kindern mit zunehmendem Alter verändert.

So ist der tägliche Aktionsraum von Kleinkindern und Kindern im Kindergartenalter v.a. im Nahbereich des elterlichen Hauses bis maximal ein paar Gassen weiter beschränkt, während er sich bei Schulkindern nach und nach auf das ganze Dorf ausdehnt und schließlich bei Teenagern auch darüber hinaus geht - gerade deshalb sind hier gemeinsame Treffpunkte wichtig und notwendig.

Konzepte für Groß & Klein

Um das alles umsetzen zu können, ist es erforderlich, dass wir bei den kommunalpolitischen Entscheidungen noch mehr auf die Bedürfnisse und Wünsche unserer Kinder eingehen sollten.

Eine Gemeinde für Kinder ist eine Gemeinde für alle.

Wichtig wäre es die bereits vorhandenen Freiräume auf ihre Funktion und Eignung für ein bespielbares Dorf zu analysieren und darauf zu achten, dass bereits bei der Planung (bzw. Neuparzellierung) die nötigen Flächen vorgesehen werden.

Darüber hinaus erscheint der Zeitpunkt für die Planung einer 'bespielbaren Gemeinde' günstig. Im Zuge des Verkehrskonzeptes würde sich die Möglichkeit bieten, Grün- und Spielflächen insofern einzubinden, als es notwendig ist, diese durch sichere Verbindungswege für alle Altersgruppen erreichbar zu machen. Darüber hinaus könnten einzelne Bereiche gleich im Zuge der Straßenraumumgestaltung mit umgestaltet werden.

KinderfüsseIn diesem Zusammenhang sind wir alle aufgefordert, aktiv mitzuarbeiten, die Lebensbedingungen unserer Kinder zum Besseren zu verändern. Dies könnte in der Form passieren, dass sich alle Beteiligten - Kinder, Jugendliche, Eltern, Lehrer, Gemeindevertreter und Planer, letztendlich alle Interessierten - an einen Tisch zusammensetzen und gemeinsam ein Konzept erarbeiten.

Denn eines sollte uns bewusst sein: Je früher wir unsere Kinder in die Kommunalpolitik miteinbeziehen, umso eher werden sie es lernen und bereit sein, sich in späteren Jahren mit den Problemen in unserem Dorf auseinander zu setzen.