"Dorf der kurzen Wege"

von Richard Artner und Peter Schuber

Wulkaprodersdorf ist in den vergangenen Jahrzehnten durch die rege Bautätigkeit stark gewachsen. Durch die vielen Neubaugebiete an den Ortsrändern haben sich die Distanzen innerhalb der Gemeinde und zu den Geschäften und Einrichtungen im Ortszentrum stark vergrößert. Da gleichzeitig auch die Motorisierung stark zugenommen hat, werden die Strecken zu einem Großteil mit dem Auto zurückgelegt - der Autoverkehr im Dorf hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen.

Ein weiterer Grund für den verstärkten Einsatz des Autos ist das Fehlen von fußläufigen Verbindungen im Ort.

Früher konnten die Leute leicht durch die Höfe von einer Gasse in die andere gelangen (z.B. Hauptstraße-Gartengasse), die meisten Wege konnten sehr rasch zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden. Heute sind diese Höfe zu und man muss große Umwege machen - zumeist mit dem Auto.

Durchlässe für Fußgänger und Radfahrer beschränken sich lediglich auf das 'Kindergartengasserl' bzw. das 'Konsumgasserl', die beide sehr gern und oft benützt werden. Solche Durchlässe sollten vermehrt geschaffen werden.

Dorf der kurzen Wege

Dorf der kurzen Wege heißt stärkere Vernetzung des gesamten Ortsgebietes mit fußläufigen (bzw. radfahrfreundlichen) Verbindungen.

Durch die Schaffung von kleinen Gässchen und Durchgängen sollen die Wege für Fußgänger und Radfahrer im Ort verkürzt werden. So kann das zu Fuß gehen und Rad fahren gegenüber dem Auto attraktiver gemacht und der im Ort selbst entstehende Verkehr verringert werden. (Wie wir durch die Verkehrsstromanalyse des Kuratoriums für Verkehrssicherheit wissen, ist ein bedeutender Teil des gesamten Verkehrs in Wulkaprodersdorf hausgemacht.)

Verringerung des motorisierten Verkehrs bedeutet für alle Verkehrsteilnehmer mehr Sicherheit und auf lange Sicht mehr Lebensqualität für die gesamte Bevölkerung.

Vernetzung

Wichtig wäre es, möglichst viele solcher fußläufigen Verbindungen über das gesamte Ortsgebiet zu verteilen - sozusagen ein Netz der kurzen Wege.

Wünschenswert wären solche Verbindungen beispielsweise in folgenden Bereichen:

Auf jeden Fall sollten bereits bei Neubaugebieten, bei Aufparzellierung der Flächen, Durchgänge im Sinne der 'kurzen Wege' ausgewiesen werden, was beispielsweise im Bereich der Hintergartenäcker auf Drängen der UDW auch bereits geschehen ist.

Verkehrskonzept

Diese ganzen Ideen sind jedoch nur im Zusammenhang mit der Erstellung eines Gesamtverkehrskonzeptes für Wulkaprodersdorf sinnvoll. Für ein solches Konzept hat sich die UDW von Anfang an vehement eingesetzt, geht es doch darum, die einzelnen Maßnahmen untereinander abzustimmen und zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzuführen.

Da gerade ein Verkehrskonzept in Erarbeitung ist, ergibt sich eine einmalige Gelegenheit das 'Dorf der kurzen Wege' im Rahmen einer langfristigen Planung hier mit einzubeziehen.

Hierbei ist es wichtig, die Bereiche, wo neue fußläufige und fahrradfreundliche Verbindungen entstehen sollen, festzulegen und mit den anderen Maßnahmen im Verkehrsbereich abzustimmen.

Umsetzung

Weitaus schwieriger als die Planung ist die Umsetzung dieser Ideen. Hierbei ist nur eine stufenweise Umsetzung über einen langen Zeitraum realistisch.

Einige Wünsche und Maßnahmen sind relativ einfach und rasch umzusetzen. Dies betrifft vor allem Durchlässe in Neubaugebieten oder auf Grundstücken, die sich bereits im öffentlichen Besitz (z.B. Bahnbegleitweg, Verbindungen entlang der Wulka, etc.) befinden. Schwieriger ist die Sache schon im dicht verbauten Gebiet. Hier erscheint die Schaffung von kurzen Wegen auf den ersten Blick absolut unrealistisch zu sein.

Natürlich wird man niemanden animieren können sein Haus abzureißen oder sein Grundstück für einen Weg zu verkaufen. Aber auch dort können sich auf lange Sicht durchaus Möglichkeiten bieten, kleine Durchgänge zu realisieren - wenn beispielsweise ein Haus abgerissen wird oder ein Grundstück seinen Besitzer wechselt. Vielleicht gibt es auch Leute, die bereit sind, einen schmalen Streifen für einen Durchgang abzutreten - speziell dann, wenn das Verhältnis mit dem Nachbarn nicht das allerbeste ist und man sich dadurch eine kleine Pufferzone schaffen kann.

Zumeist benötigt man dafür auch gar nicht viel Platz. Je nach örtlicher Gegebenheit kann so eine Verbindung bereits ab einer Breite von ca. 1,5 Meter realisiert werden.

Auf jeden Fall ist es wichtig, das Ganze als langfristiges Projekt zu sehen und in ein Gesamtkonzept einzubinden. Dadurch kann man - sollte sich die Möglichkeit zur Realisierung bieten - sofort reagieren und muss nicht erst wieder mit dem Überlegen neu beginnen.