Viele Gärten sind in der heutigen Zeit geprägt durch Rasenflächen, Nadelbäume, Thujenhecken und Ziersträucher - 'pflegeleichtes Grün' sozusagen.
Die große Vielfalt an einheimischen Pflanzen, die in früheren Zeiten Hausgärten, Plätze, Straßen, Wege, Wiesen und Äcker und somit auch das Ortsbild geprägt haben, sind heute fast gänzlich verschwunden. Mit ihnen verschwunden ist auch die vielfältige Tierwelt, die auf diese Gehölze angewiesen war. Die Gründe hierfür sind wohl im Wandel der Zeit wie auch im Wandel zur Konsum- und Wohlstandsgesellschaft zu finden - selbst exotische Obstsorten sind im Supermarkt relativ billig zu erstehen; kaum jemand macht sich mehr die Mühe, selbst etwas zu ernten.
Man wundert sich heute lediglich, wie unsere Großväter und Großmütter es fertiggebracht haben, ohne jeglichen Einsatz von chemischen Mitteln (damals war die Industrie noch nicht soweit bzw. die Mittel waren finanziell nicht erschwinglich), Obst und Gemüse zu ernten und damit ihre Familien zu ernähren.
Der Hauptgrund, dass dies so funktionieren konnte lag darin, dass in ihren Gärten ein weitgehend intaktes Ökosystem - ein Gefüge von verschiedenen Pflanzen und Tieren, die voneinander abhängig sind - herrschte. Einheimische, standortgerechte Pflanzen bildeten zusammen mit Schädlingen und deren natürlichen Feinden ein Gefüge, das sich gegenseitig die Waage hielt. Vor allem die Nützlinge sind dabei auf die typische Pflanzenwelt eines bestimmten Gebietes angewiesen.
Erst als die einheimischen Gehölze zunehmend durch ausländische Pflanzen oder Ziersträucher verdrängt wurden, kam dieses Gleichgewicht in der Natur und in den Gärten durcheinander. Mit den Gehölzen verschwanden vor allem die nützlichen Tiere, die Schädlinge konnten sich ungehindert ausbreiten.
Ein Beispiel dazu: Die heimische Eberesche wird von 63 Singvogelarten angeflogen, eine vergleichbare ausländische Art nur von 4!
Speziell bei Obstbäumen ist die ehemals große Arten- und Sortenvielfalt der Gärten in den letzten Jahrzehnten sehr stark geschwunden.
Einige wenige, meistens hochgezüchtete und zum Teil aus dem Ausland importierte 'Trendsorten' - wir kennen sie vor allem aus dem Supermarkt - haben die alten einheimischen Sorten verdrängt.
Oft wundert man sich, warum diese, oft von ausländischen Versandhäusern oder in diversen Märkten angebotenen Bäume, nicht gut anwachsen oder vielleicht nach einigen Jahren prächtiger Ernte auf einmal nur mehr sehr schlecht tragen und fade schmeckende Früchte hervorbringen. Oft zeigen sie auch einen starken Schädlingsbefall und können nur mit viel Chemie am Leben erhalten werden.
Ein wichtiger Grund liegt darin, dass diese standortfremden Obstsorten nicht
an unser Klima und unsere Bodenverhältnisse angepasst sind - sie passen
einfach nicht in die natürliche Umgebung und finden sich hier auch nicht
zurecht.
Die meisten alten Sorten jedoch sind sehr robust und resistent (weil sie an
die klimatischen Verhältnisse und den Boden im jeweiligen Gebiet gewöhnt
sind), wachsen in der Regel sehr gut und tragen bis ins hohe Alter.
Es gibt hierbei eine Vielzahl von Sorten, die bezüglich Geschmack, Verwendungszweck
oder Lagerfähigkeit jeden und jede das Richtige finden lässt.
Wurden früher die Bäume selbst weiterveredelt und so die Sortenvielfalt in einer Region erhalten, so sind heutzutage die meisten Sorten nicht mehr bekannt und nur in spezialisierten Baumschulen zu bekommen. Wer kennt schon (oder noch?) Apfelsorten wie Marschanzker, Zigeuner- oder Rosenapfel bzw. eine Honig- oder Nagerlbirne.
Vielleicht sollte man sich überlegen, ob man es nicht wieder einmal mit alten Obstsorten versucht - eine Bereicherung für jeden Garten und die Tierwelt ist es allemal und darüber hinaus ist auch die Versorgung mit eigenem, gesundem und einmal anders schmeckendem Obst für die Zukunft sichergestellt.
Baumschule Schiller, 7412 Wolfau 140, Tel. 03356/388
Ca. 80 verschiedene Apfel- und über 20 unterschiedliche Birnensorten im
Programm
Arche Noah, Verein zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt: Obere Straße
40, 3553 Schiltern (bei Langenlois), Tel. 02734/8626
Spezialisiert auf alte Kulturpflanzen aller Art (z.B. über 100 verschiedene
Paradeisersorten im Angebot)
Projekt 'Regionale Gehölzvermehrung, NÖ Naturschutzabteilung,
Neues Landhaus, 3109 St. Pölten, Tel. 02742-200-2512 bzw. NÖ Agrarbezirksbehörde,
Landhausplatz 1, Haus 12, Tel. 02742-200-5565
Im Rahmen dieses Projektes werden Samen in der Region geerntet, gereinigt und
von Baumschulen in der jeweiligen Region wieder verwendet - standorttypische
Gehölze bzw. Sorten in der eigenen Region und die Adressen der Baumschulen
sind bei den oben angeführten Stellen erfragbar.
Baumschule Alfred Weber, An der Baumschule 10, 2486 Pottendorf-Landegg
Hat auch einige alte Sorten im Angebot