A3-Verlängerung oder ‘Mobil ohne Autobahn’?

Ende 2020 soll die Umfahrung Sopron der ungarischen Autobahn M85 bis Fertörakosz fertiggestellt sein. Dann wird der Abschnitt Richtung Grenze gebaut und abgeschlossen. Wie das Bundesministerium für Verkehr bekannt gibt wird die Anschlussstelle bei Klingenbach sein: Stau im ungarischen Eck, derstandard.at, 17.10. Die Stellungnahmen der burgenländischen Landespolitiker zur A3-Verlängerung und dem Thema Verkehr konnten Sie in unserem letzten Artikel lesen.

Die Fertigstellung der M85 bis zur Grenze soll nach neuesten ungarischen Angaben voraussichtlich 2023 – 2024 sein. Die Anrainergemeinden an der Verbindungsstrecke zwischen Wulkaprodersdorf und Klingenbach befürchten damit einen drastischen Anstieg des Straßenverkehrs.

Besorgte Anrainer an der Verbindungsstrecke haben in den letzten Wochen wieder ihren Kampf gegen die A3 Verlängerung aufgenommen. Die Bürgerinitiativen kämpfen bereits seit über 17 Jahren gegen die A3-Verlängerung. Doch was bleiben ihnen für Alternativen? Ist ihr Widerstand nicht eigentlich kontraproduktiv? Eine Leserin des Standard Was hat die A3 für einen Sinn, wenn sie vor Wulkaprodersdorf endet…. Mit dem Zug zu fahren funktioniert halt nur mangelhaft, da hat man mit dem Ausbau in Österreich viel zu lange gewartet…..und eine Anmerkung darauf “absichtlich…”

 

Befürchtete Auswirkungen der A3-Verlängerung

Hochrangige Straßen sind nach Ansicht vieler Wissenschafter nicht geeignet Verkehr zu reduzieren – sie ziehen Verkehr an und erreichen somit langfristig das Gegenteil. Interessant in diesem Zusammenhang ist folgende Veröffentlichung zum Verkehrsaufkommen im Burgenland 2018, kurier.at, April 2019 und den 32 meist befahrenen burgenländischen Straßen im Burgenland.

Dabei kann man bereits jetzt erkennen: Ein ganzes Bündel von Verkehrsschwerpunkten umgibt den Verkehrsknoten Wulkaprodersdorf. Alleine auf der S31 bei Wulkaprodersdorf zählt die Asfinag 9,3 Millionen Fahrzeuge im Jahr und die S31 ist nur ein hotspot in diesem Gebiet (A3 Zubringer, B50 Nord-Süd, B16 die ungarische Pendlerroute nach Wien ua.)  Hier gelangen Sie zur Auswahl der Straßen hotspots im Burgenland.

(c) kurier 19.4.2019

 

Auswirkung hochrangiger Straßen auf die Umgebung

Welche CO2 Belastung der Straßenverkehr bewirkt  konnte man der Wiener Zeitung am 2.12.2019 entnehmen: Verkehr im Burgenland hat höchsten CO²-Ausstoß pro Kopf. In Österreich entfallen auf den Verkehr ein Drittel aller Treibhausgas-Emissionen. Der VCÖ hat Daten des Umweltbundesamtes bezogen auf 2017 ausgewertet. Dabei hält das Burgenland die Spitzenposition beim CO2-Ausstoß pro Kopf (im Verkehr) mit 3,21 Tonnen pro Jahr (Wien, Vbg 1,77 Tonnen).

 

(c) Wiener Zeitung, Klimabilanz – Daten: Umweltbundesamt, VCÖ
Wulkaprodersdorf bei Inversionswetterlage

Aufgrund der geografischen Lage von Wulkaprodersdorf machen sich diese Auswirkungen für die Ortschaft besonders negativ bemerkbar. Bei Inversionswetterlagen bleiben Smog und schädliche Abgase besonders lange über dem Ort hängen.

 

 

Alternativen – Mobil ohne Autobahn

Die unterschiedlichen Interessen bei der A3-Verlängerung sind ein Spiegel für die Zerrissenheit der Verkehrsplanung im Burgenland. Die Pendler,  die Wirtschaftstreibenden, die Tourismusbetriebe stehen eher auf der Seite der Befürworter der Verlängerunfg, die Anrainer und deren Gemeinden eher auf der Seite der Gegner.

Eine Lösung erfordert die Bereitschaft zum “anders Denken“. Die Plattform der Bürgerinitiativen gegen den Weiterbau der A3 versucht gemeinsam mit Verkehrsexperten diesen Weg und lädt in den Anrainergemeinden die Bevölkerung zu Diskussionsabenden ein.

in der Mehrzweckhalle, Wulkaprodersdorf
Dienstag, 14. Jänner 2020, 19.00 Uhr

 

Gerade im Burgenland ist die Abhängigkeit vom Auto besonders hoch. Die Ursachen liegen in der Zersiedlung unserer Orte, am hohen Anteil unserer  Pendler und natürlich auch am fehlenden Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln. Leider zeigen die Werte der Entwicklung des Burgenlandes in die falsche Richtung.

 

Nur ein ganzes Bündel an Maßnahmen kann diese Entwicklung verändern:

  • Raumplanung – “Stopp der Zersiedlung”, hin zu kurzen Wegen,
  • Verkehrsplanung – “Schienen in die Zukunft”, drastische Erhöhung der Schieneninfrastruktur, Bewusstseinsbildung …
  • Wirtschaftsinitiativen – Förderung von klein- und mittelständischen Unternehmen, “Die Jugend bleibt im Burgenland”,  Innovations- und Leitprojekte
  • Regionalförderung- “Kampf den aussterbenden Orten”, Stärkung der Regionen,
  • um nur einige zu nennen.

 

Zitat DI.Dr. Frey:
„Verkehr entsteht dort, wo etwas verkehrt steht!“.

Die Verkehrsmittelwahl und das Verkehrsaufkommen werden maßgeblich durch Raumplanung und Siedlungsentwicklung bestimmt. Viele der heute offensichtlichen „Verkehrsprobleme“ sind Symptome, deren Ursache auf die Raumplanung der vergangenen Jahrzehnte zurückzuführen ist. Eine flächensparende und verkehrsminimierende Raumordnung fördert deshalb eine kompakte, an den Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs orientierte Siedlungsentwicklung.

 

 

Tipp:
Wenn Sie dieses Thema interessiert filtern Sie unsere Beiträge unter Aktuell nach dem Schlagwort: “A3 Verlängerung” oder “Verkehr”

 

 

erstellt von: Wolfgang Reisner                                                                    Aufrufe bisher: 46

Feinstaub

Laut einer Studie der Europäischen Umweltagentur vom November 2016 sterben In Österreich 20 x so viele Menschen durch Luftverschmutzung (8.200 pro Jahr) wie durch Verkehrsunfälle (ca. 400 pro Jahr).

Feinstaub: Die unsichtbare Gefahr
Man sieht, riecht und hört ihn nicht – den Feinstaub. Und doch sterben
in Österreich jährlich rund 8.200 (!) Personen an den Folgen von Feinstaub.
Darüber hinaus verringert Feinstaub die Lebenserwartung
um bis zu 17 Monate. Im Burgenland reduziert sich die Lebenserwartung durch den Feinstaub um ca. 9 Monate!!!  Einer der Hauptverursacher von Feinstaub ist der Autoverkehr (neben dem Hausbrand und der Industrie).

Feinstaub: Was ist das eigentlich?
Es gibt den gröberen Feinstaub (PM 25) und den feineren (PM 10). Der gefährlichere von beiden ist der PM 10. Er hat zum Teil so kleine Partikel, dass diese über die Atmung in die Lunge gelangen können. Dies wiederum kann verstärkt zu Atemwegs- und Herz/Kreislauferkrankungen führen. Davon besonders betroffen sind vor allem Kleinkinder und ältere Menschen.

Fakten zum Thema Feinstaub: Seitens der EU gibt es Grenzwerte für Feinstaub. Bei Überschreiten dieser Werte besteht auf alle Fälle Gefahr für die Gesundheit. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind diese Grenzwerte viel zu hoch angesetzt und sollten um die Hälfte reduziert werden. Was aber nicht passiert. Im Klartext heißt das wiederum, dass voraussichtlich schon bei weniger Feinstaubbelastung eine akute Gesundheitsgefährdung gegeben ist.

Auswirkung Feinstaub: Ursache für die hohe Feinstaub- und Abgasbelastung in Wulkaprodersdorf ist die Tallage an der Wulka. Sie führt zu einer Inversionswetterlage und damit zu einer Ansammlung von Schadstoffen. Die Schadstoffe ziehen nur sehr schwer in Richtung Neusiedler See ab.
Die Expert/innen warnen vor der Errichtung einer Barriere (Lärmschutzwand), weil diese den Abzug von Feinstaub und Abgasen unmöglich macht.  Wulkaprodersdorf hat bereits eine Damm-Barriere von 6m beim Autobahnzubringer WP. Eine Schallschutzmauer mit zusätzlichen 4m Höhe ergibt eine Barriere von 10 Metern. Der Feinstaub und die Abgase bleiben dann in Wulkaprodersdorf wie in einem See liegen! Bei Inversionswetterlagen schichtet sich die kalte Luft am Boden und bildet schadstoffreiche Kaltluftseen, ein Damm verhindert zusätzlich noch den Luftabfluss.
Wulkaprodersdorf hat in der kalten Jahreszeit schlechte Belüftungsverhältnisse und leidet an den Emissionen der eigenen Heizungsanlagen, wie Messungen belegen. Diese Verhältnisse wirken sich auch sehr negativ auf Landwirtschaft und Gesundheit aus!

Ca. 30% des Feinstaubes in Österreich kommen vom Autoverkehr – vor allem von Dieselfahrzeugen, Brems- und Straßenabrieb und von Staubaufwirbelungen. Der Nordosten Österreichs ist besonders vom Feinstaub betroffen. Das gesamte Burgenland wurde auf Grund der Feinstaubproblematik zum Luftsanierungsgebiet erklärt.
In Wulkaprodersdorf gab es in den Jahren 2012 – 2014 Luftmessungen durch das Land Burgenland, die starke Überschreitungen des Grenzwertes bis zu 25x im Jahr ergaben. Diese Messstelle wurde im Juli 2014 (nach bereits 20 Überschreitungen im 1. Halbjahr!!) wieder abgebaut.
Mit dem Ausbau der A3 ist mit einer deutlichen Zunahme der Feinstaubbelastung zu rechnen.

Maßnahmen zur Verringerung von Verkehrslärm und Luftverschmutzung

Dafür braucht es eine Vielzahl aufeinander abgestimmter Einzelmaßnahmen:
von der Fahrzeugtechnik über das Steuerrecht bis zur Verkehrsplanung.
Neben der Verkehrsvermeidung und dem Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel gibt es eine Reihe von weiteren Möglichkeiten:

  1. Das Reifen-Fahrbahn-Geräusch bei Pkw ist ab ca. 30 km/h (bei Lkw 60 km/h) die dominierende Geräuschquelle. Der Einsatz von lärmmindernden Fahrbahnbelägen kann die Lärmbelastung verringern. Ein moderner ge-
    räuschmindernder Straßenbelag kann um bis zu 8 dB leiser als der
    Referenzbelag sein.
  2. Lärmschutzmaßnahmen: Eine wichtige Lärmschutzmaßnahme sind Geschwindigkeitsbegrenzungen.
    In verkehrsberuhigten Zonen mit 30 km/h Geschwindigkeitsbeschränkung
    ist der Lärmpegel um 6 dB geringer als bei 50 km/h. Auf Autobahnen bringt eine Tempo-100-Beschränkung eine Lärmreduktion von 3 dB. Bei Tempo 100
    wird auch um 64 % weniger Stickoxid ausgestoßen als bei Tempo 130 km/h.
  3. Schallschutz: Schallschutzwände, -wälle, Überdeckungen, Einhausungen behindern die Ausbreitung des Schalls. Die Höhe der Wand hat  entscheidenden Einfluss auf die lärmmindernde Wirkung. Die Anlage muss
    ausreichend lang sein, damit von den Seiten kein Lärm eindringt.
    Die Lärmminderung beträgt 5 bis 10 dB(A), in günstigen Fällen 10 bis 15 dB(A). Bei Wind und Inversionswetterlagen verschlechtert sich die lärmmindernde Wirkung. Schallschutzfenster können nur die Innenräume vor Lärm schützen,
    wenn sie geschlossen sind. Die Außenbereiche (Garten, Terrasse,
    Balkon) bleiben laut.