Ein Verkehrskonzept für Wulkaprodersdorf

von Richard Artner

Nun scheint es, dass eine langjährige Forderung der UDW in die Tat umgesetzt wird: Ein Verkehrskonzept für Wulkaprodersdorf soll erstellt werden.

Bisher war es üblich, einmal dort und einmal da etwas zu erschließen, auszubauen und umzugestalten, nach dem Motto: Ein Stückchen Kirchenplatz da, ein Stückchen Hauptstraße dort, eine neu asphaltierte Siedlungsstraße ganz woanders.

In Summe führt so eine Vorgangsweise zu einem Flickwerk, bei dem die einzelnen Teile dann meist nicht mehr zusammen passen. Die UDW verlangt seit Jahren, verkehrsbedingte Probleme nicht einzeln zu betrachten sondern in einem großen Zusammenhang zu sehen:

In einem Gesamtverkehrskonzept für das ganze Dorf.

Ein solches Konzept darf sich aber nicht nur auf die Neu- bzw. Umgestaltung und Sanierung von Straßen beschränken, sondern hat zur Aufgabe, die gegenwärtigen und zukünftigen Probleme des gesamten Verkehrsbereiches zu analysieren, zu koordinieren und Lösungsvorschläge anzubieten. Konkrete Planungen und Straßenumgestaltungen sind nur ein Teil dieses Konzeptes.

Was versteht die UDW unter einem Verkehrskonzept?

Es handelt sich dabei um eine Festlegung von Richtlinien für zukünftige Planungen. So ein
Konzept besteht im Allgemeinen aus mehreren Teilen:

  1. Zuerst muss überlegt werden, was man für die Zukunft ändern möchte, wie die gewünschte zukünftige Entwicklung im Verkehrsbereich aussehen soll. Es sollen dabei Ziele und Vorstellungen erarbeitet und definiert werden. Diese Ziele können in groben Zügen festgehalten werden (z.B. Reduzierung des Verkehrs, Gestaltung der Straße als Lebensraum, etc.), für einzelne Bereiche aber auch genauer definiert werden (z.B. Schaffung von fußläufigen Verbindungen zum Ortszentrum -'Dorf der kurzen Wege'). Wichtig dabei ist, dass die ganze Gemeinde hinter diesen Zielen steht und diese auch nachdrücklich verfolgt werden.
  2. Als nächstes muss eine Erhebung und Analyse der derzeitigen Situation (Zustandsanalyse) durchgeführt werden, um die jetzige Situation festzuhalten, Problembereiche erkennen zu können und somit Grundlagen für weitere Planungen zu haben. Dies wären z.B. Verkehrszählungen (um den Anteil des Durchzugsverkehrs festzustellen), die Erhebung des Zustandes einzelner Straßenzüge (für etwaige Sanierungsarbeiten) oder die Analyse der Busfahrzeiten.
    Gleichzeitig mit der Zustandserhebung soll eine Bedarfserhebung durchgeführt werden, um Anhaltspunktspunkte für zukünftige Planungen zu haben, z.B.: Wie viele Parkplätze werden am Feuerwehrplatz wirklich benötigt, oder wann muss ein Bus fahren, damit die Leute auch wirklich rechtzeitig am Arbeitsplatz sein können. Erst wenn diese Dinge abgeklärt sind, ist es sinnvoll sich konkrete Maßnahmen zu überlegen, um die vorher definierten Zielvorstellungen zu erreichen.
    Um die Zielvorgaben umsetzen zu können, werden unterschiedlichste Maßnahmen zu verschiedenen Themenbereichen (öffentlicher Verkehr, Anforderungen an Platzgestaltungen, Sanierung von Straßenzügen, etc.) notwendig sein.
    Als Ergebnis gibt es dann für jeden Problembereich ein Bündel an Maßnahmen (Maßnahmenkatalog), die unterschiedlich rasch umgesetzt werden können.
  3. Als letztes sollte man dann Überlegungen über die Umsetzbarkeit der Maßnahmen anstellen. Um doppelte Arbeiten und unnötige Geldverschwendung zu vermeiden, ist es notwendig, eine sinnvolle Reihenfolge der Maßnahmen festzulegen.
    So wird es Maßnahmen geben, die mit geringem finanziellem Aufwand relativ kurzfristig und einfach umzusetzen oder sehr dringend sind. Hierzu zählen etwa Geschwindigkeitsbeschränkungen, Fahrverbote oder dringende Straßensanierungsarbeiten.
    Mittel- und langfristige Maßnahmen benötigen zumeist entweder eine längere Planungszeit oder sind aufgrund hoher Kosten nur schrittweise realisierbar. Mittelfristige Maßnahmen wären z.B. Straßen- und Platzumgestaltungen, eine langfristige etwa die Schaffung eines Fußweges zwischen Hauptstraße und Gartengasse. Will man dort einmal einen Weg errichten, so muss man zunächst einmal festlegen, wo dieser Weg ungefähr verlaufen soll und versuchen, im Laufe der nächsten Jahre dort einen Grund zu bekommen.
    Für die Zukunft betrachtet, ist ein Konzept jedoch kein absolut strenges Regelwerk, sondern etwas dynamisches, das auf die Ansprüche der jeweiligen Zeit und die Veränderung der Rahmenbedingungen immer wieder angepasst werden kann und auch muss. Es geht vor allem darum, grundsätzliche Vorgangsweisen festzulegen, auf welchen die jeweiligen konkreten Planungen aufbauen können.
    So ein Konzept ist eine sehr umfangreiche Arbeit und bedeutet damit auch einen gewissen finanziellen Aufwand, aber in Summe gesehen wird viel mehr Geld einspart, weil die Maßnahmen besser auf einander abgestimmt und viele - zumeist sehr teure - Fehler und unnötige Arbeiten vermieden werden können. (So wie beim Hausbauen: Ein guter Plan am Beginn erspart fast immer viel Geld und viel Ärger).