Das
Gebiet um Wulkaprodersdorf war bereits zur Jungsteinzeit (5.000 v.Chr.) besiedelt.
Zur Römerzeit (Chr. Geb. - 400 n. Chr.) lag der Ort an einer wichtigen
Landstraße (Vicinalstraße). An mehreren Stellen im Gemeindegebiet
lagen römische Gutshöfe (villae rusticae), ein römischer Friedhof
lag beim Bahnhof. Doch beim Bahnbau 1879/80 wurden viele römische Gräber
zerstört. Eine lateinische Urkunde aus dem Jahr 1292 ist der älteste
schriftliche Beleg für Wulkaprodersdorf.
Wulkaprodersdorf gehörte von 1491 bis 1647 verwaltungsmäßig zu Österreich und unterstand der kaiserlichen Herrschaft. Kirchlich gehörte unser Ort und auch die Herrschaft Eisenstadt der Diözese Raab (Györ).
1530 während der Türkenkriege (1529 - 1532) ließen sich die ersten Kroaten in Wulkaprodersdorf nieder. Ab diesem Zeitpunkt gab es eine permanente Zunahme von kroatischen Ansiedlern.
Die Herkunft der burgenländischen Kroaten mit cakavischem Dialekt ist wahrscheinlich das kroatische Binnenland. Die Poljanci, so nennt man die Kroaten des Eisenstädter und Mattersburger Bezirkes, deren Dorfmundart recht einheitlich ist, stammen aus dem westlichen Gebiet zwischen den Flüssen Kupa, Save und Una.
1871
erfolgte in Budapest die Gründung einer Interessensgemeinschaft, die
den Bau einer Bahnlinie von Raab (Györ) über Ödenburg (Sopron)
bis an die Landesgrenze nach Ebenfurth in die Wege leitete; 1875 kam es
zur Gründung der Raab-Ödenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG. Die Lage
der beiden Zuckerfabriken Hirm und Siegendorf beeinflussten die Auswahl
des Platzes für einen Bahnhof in Wulkaprodersdorf entscheidend - bereits
1879 rollte der erste Personenzug durch den Ort. Seit 1926 befindet sich
der österreichische Sitz der Betriebsleitung in Wulkaprodersdorf.
Obwohl "Vulkapordany" historisch und staatsrechtlich zu Ungarn gehörte, war die Bevölkerung sprachlich und wirtschaftlich nach Österreich hin orientiert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sprach sich die Bevölkerung in einer geheimen Abstimmung mehrheitlich für ein autonomes Deutschwestungarn aus.
In der Zwischenkriegszeit war die wirtschaftliche Lage der Gemeinde sehr schlecht; durch die Ausrichtung auf die Landwirtschaft waren die Gemeindeeinnahmen gering. Der "Anschluss" sowie der bald folgende Ausbruch des Zweiten Welkrieges brachten für die Bevölkerung einschneidende Veränderungen - so konnte zum Beispiel der Gebrauch der kroatischen Sprache mitunter äußerst unangenehme Folgen nach sich ziehen. Im Zuge der letzten Kampfhandlungen kamen fast 20 Personen - Soldaten, Flüchtlinge, Dorfbewohner - ums Leben.
In
der Folge begann sich das Leben im Dorf nur langsam wieder zu normalisieren.
Die wichtigsten Projekte waren die Errichtung der Wasserleitung und der
Bau der Kanalisation. Heute ist Wulkaprodersdorf Sitz des Wasserverbandes
Wulkatal. Um die Abwanderung vor allem der jungen Bevölkerung zu vermeiden,
wurde eine neue Wohnhausanlage geschaffen.
Bei den Feierlichkeiten für das 700-jährige Bestehen wurde der Gemeinde Wulkaprodersdorf am 21.Juni 1992 das Recht zu Führung der Bezeichnung "Marktgemeinde" verliehen. Wulkaprodersdorf verfügt über einen Kindergarten mit Kinderkrippe und eine Volksschule. 1994 wurde eine Altstoffsammelstelle errichtet.
Wulkaprodersdorf hat sich im Laufe seiner Geschichte zu einer aufstrebenden
und lebenswerten Gemeinde entwickelt, welche mit Stolz auf zahlreiche Erfolge
im kommunalen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereich verweisen kann.